Heute habe ich endlich den langersehnten Testbericht vom Radon Render 10 HD Supreme für euch fertig gestellt.
Vorab möchte ich erwähnen, dass ich keinerlei Unterstützung
vom Hersteller und auch kein Leihbike erhalten habe. Das Bike habe ich voll und
ganz aus eigener Tasche gezahlt.
Vertrieben wird das ganze von Bike-Discount. Später noch mehr
zum Service, Beratung und Kundensupport.
In meinem Render Testbericht, möchte ich eine unabhängige Herangehensweise nutzen und auch über den Tellerrand hinausschauen. Ich werde bei der Austattung nicht
auf jedes Detail eingehen, da ihr euch die genauen Spezifikationen auf der
Radon Seite anschauen könnt.
Der Hype um das Render existiert schon eine ganze Weile und
beim Betrachten der Austattung ist dies auch kein Wunder. Top Komponenten, wie
der Carbon Rahmen, Bosch CX4, Fox Fahrwerk, SRAM AXS und Magura MT7 zählen
zu den Key Features. Doch kann das Paket auch im harten Trail Enduro Einsatz
überzeugen? Was fällt beim genaueren
Betrachten der Komponenten auf? Ist das Bike auch professionell zusammengebaut?
Wie schlägt sich das Render bei normalen Touren oder Waldautobahn?
Fragen über Fragen, ich hoffe wir können ein bisschen Licht
in die Dunkelheit bringen.
Das erste Render 10 HD war ziemlich schnell vergriffen und
ich ging leer aus. Beim zweiten Release habe ich dann zugeschlagen und musste
aber einige Zeit warten.
Vorweg hatte ich mich erkundigt und gefragt welche
Rahmengröße zu mir passen würde, da ich leider so ein Kandidat bin der zwischen
den Größen liegt. Die Grafik wurde leider erst später hinzugefügt damit
sich die Leute ein besseres Bild machen können was denn nun passt.
Mir wurde als Rahmengröße M empfohlen bei 178cm Körpergröße
und 83cm Schrittweite. Leider hat der Mitarbeiter mir nicht gesagt, das
auch ein L Rahmen einwandfrei passen würde. Als das Bike kam und ich die ersten
Runden gefahren bin kam es mir zu klein vor. Nach einigen Anpassungen passt aber alles und ich bin mit der Geometrie zufrieden.
Bei Rahmengröße M haben wir einen Reach von 592mm und Stack
von 425mm. Ich kann nur jedem empfehlen ein Testbike zu fahren, was bei mir
leider nicht möglich war und sich mit dem Thema Reach und Stack ausgibig zu
beschäftigen.
Ankunft meines Renders
Wir haben 3-4 Monate nach Bestellung auf das Bike gewartet und den Betrag im Voraus überwiesen, was nicht mal notwendig gewesen wäre, wie ich im Nachinein erfahren habe
Nach der Überprüfung des Bikes sind mir leider gewisse Mängel aufgefallen. Das Vorderrad hatte
einen 8er und eierte massiv, die MT7 Bremse schleifte, die Kettenführung war
nicht sauber zusammengebaut, das Render hatte Macken auf einer Kurbel sowie
Laufrad und ein Rahmenaufkleber wiess Flecken auf was nicht gerade schön
aussieht. Der Rahmen hatte Druck Spuren evtl. Lagerung und der Fox Dämpfer
hatte ebenfalls Spuren auf der Kashima Beschichtung.
Der erste Service war für 200Km bzw. 2 Monate programmiert.
Das Bike kam im November, bin 15km gefahren, dann Stand es nur rum und die
Service Meldung poppt auf.
So viele und vorallem auch gravierende Mängel habe ich bisher bei noch keinem Anderen Versender erlebt. Keine Frage es ist ein super Bike mit toller Ausstattung, aber bei dem
Preis erwarte ich auch ein gewisses Mass an Qualtität, so wie wir es
von deutschen Produktionen her kennen auch von einem Versender Bike.
Nur mal als Vergleich: Ich habe mir ein GT Avalanche für
rund 500 Euro bestellt, welches in perfektem Zustand ankam. Laufräder
einwandfrei zentriert, die Schaltung war super eingestellt und keine einzige
Macke am Fahrrad. Das Selbe mit einem ebenfalls low budget Rad von Trek für
meine Frau und einem Gravel Bike von Decathlon.
Wie dem auch sei ich dachte mir alles kein Problem und wende mich an den Bike-Discount Support, welcher die Render Bikes vertreibt. Mir wurden 30 Euro Rückerstattung angeboten, wenn ich das Laufrad bei einer Fachwerkstatt zentrieren lasse. Auf sämtliche anderen Mängel wurde nicht eingegangen. Mit dem Kundenservice von Bike-Discount war ich nicht zufrieden und vorallem nicht wie dort mit einem umgegangen wird.
Unser Bike war professionell zusammengebaut, jedoch fehlte die Überprüfung von einem geschulten Auge. Wäre dies geschehen, würden die Mängel beseitigt, bevor man das Bike an den Kunden ausliefert. Diese Fehler sind kein Einzelfall, wie man in diveresen Foren auch nachlesen kann. Der Kundenservice hat nochmal einen draufgelegt und uns mit einem sehr schmalen „Entgegenkommen“ enttäuscht. Vermutlich wäre das bei einem bekannten Youtuber oder ein Bikemagazin als Kunde, anders abgelaufen. Jedoch bin ich froh darüber, denn so kann ich euch zeigen wie es bei einem normalen Kunden läuft und jeder kann sich ein eigenes Bild von der Firma bzw. dem Hersteller machen.
Antrieb:
Wer den CX4 noch nicht kennt, es gibt 4 Stufen, Eco, Tour,
eMTB und Turbo. Im eMTB Modus welchen ich meistens nutzte komme ich ca. 60Km
mit einem 625Wh Powerpack.
Der Bosch Motor, ist der lauteste E-Bike Motor, den ich
kenne. Das Fahren fühlt sich aber unglaublich gut an. Man fühlt sich eigentlich
wie auf einem normalen Fahrrad nur mit mehr Muskelkraft in den Beinen. Die
Übergänge sind sehr weich und man hat nicht das Gefühl, dass man in ein Loch fällt,
wenn die Unterstützung oberhalb 25KmH endet.
Es besteht zudem auch die Möglichkeit ein Licht an das
System anzuschliessen, muss aber in der Bosch Diagnose Software konfiguriert
werden.
Ich hatte mit dem Bosch Performance CX4 und Kiox auch schon
einen Fehler 0x4B0020 und das bei gerade mal 15Km Gesamtlaufleistung. Laut
Bosch ist dies ein Fehler der Diagnosesoftware und hat keine Auswirkung auf das
System. Die aktuellste Firmware ist nun drauf und man kann nur hoffen das weitere Fehler
nicht mehr auftreten. An dieser Stelle verweise ich auch zu meinem Beitrag über
die Bosch Firmware 3.1.1.0
Der 625Wh Akku ist elegant im Rahmen versteckt und unter einem Gummideckel geschützt . Weniger atraktiv jedoch die Gummibandhalterung mit welcher der Deckel fixiert wird. Es gibt hier tolle Systeme, wie bei Cube mit einem Snap-In Verschluss welche einen wertigen Eindruck machen. Leider hat man bei Radon an dieser Stelle gespart, da der Gummiband verschluss irgendwann reissen wird.
Schaltung:
Die SRAM AXS ist eine wireless Schaltung mit einem Funk Trigger, der per Knopfzelle gespeisst wird und einem elektrischen Schaltwerk mit abnehmbarem Lithium Ionen Akku.
Leider musste ich feststellen, dass „nur“ eine GX Kasette
verbaut wurde. Die XG wäre ein geringer Aufpreis gewesen im Vergleich zu den
Gesamtkosten. Auch macht der Freilauf meiner XG Kasette seltsame Geräusche und
läuft unrund was sich auf den Freilauf Klang bemerkbar macht.
Die Kette ist ebenfalls „nur“ eine GX Eagle. Habe desöfteren
gelesen, dass empfohlen wird eine XX1 zu verwenden, da hier der
Kasettenverschleiss reduziert wird.
Es ist meine erste SRAM Schaltung und ich war voller Hoffnung und Begeisterung für das System. Ernüchternd muss
ich aber zugeben, ich hätte von der AXS Schaltung mehr erwartet. Klar geht das
Schalten enorm Schnell und knackig, aber anfangs hatte ich oftmals Hänger bzw. unsaubere Schaltvorgänge, die ich von diesem Antrieb nicht erwartet hätte.
Selbst auf der Waldautobahn gab es diese Probleme, welche eigentlich in relativ einfachem Gelände nicht auftreten sollten. Es ist nach den ersten 100km etwas
besser geworden, aber werde evtl. die Kette tauschen. Auch das
Runterschalten per Zeigefinger muss erstmal erlernt werden und ist anfangs
ungewohnt. Das Gefühl mit einem weiteren Akku im System plus Knopfzelle im Trigger
unterwegs zu sein, erhöht die Unsicherheit, da jedes Plus an aufwendiger Technik,
das Risiko für Ausfälle erhöht.
Bisher lief jedoch alles einwandfrei und wenn man sich
erstmal an die AXS gewöhnt hat, kommt man wirklich sehr gut zurecht. Auch das Nachstellen des Schaltzugs fällt weg, da sich die Schaltung automatisch justiert.
Ich bin mit Shimano Antrieben bestens vertraut, Tourney bis XTR und stelle fest, dass meine Alivio Schaltwerk mit Altus Trigger ebenfalls sehr flüssig und rund läuft. Wohlbemerkt im Bafang E-bike mit 750W Antrieb, der um einiges mehr Dampf als der Bosch Antrieb hat. Vielleicht liegt es am Gearsensor, welcher die Motorleistung sauber beim Schalten unterbricht oder an der KMC e9 E-bike Kette.
Die MT7 von Magura mit den 2 Finger Hebeln, sind erstmal ein wahnsinns Blickfang an dem Bike! Nach dem schleiffreien Einstellen und Einbremsen kam ich in den Verzögerungs Himmel 👼. Einfach eine der besten Bremse auf dem Markt. die sich super anfühlt und unglaubliche Bremsreserven hat.
E-Bike Connect (Bosch
App):
Als ich das erste Mal von der Navi Funktion des Kiox
Displays gehört habe war ich mehr als begeistert. Mit Komoot synchronisieren
und bequem seine Touren auf das Kiox Display laden. So weit so gut in der
Theorie. Anfangs stieg jedoch die Verbindung zum Smartphone immer aus, was
jedoch mein Fehler war, da hier die Energieeinstellungen des Smartphones die
App ausgeschaltet haben.
Nachdem dies beseitigt wurde konnten wir endlich mit Kiox
navgieren, oder doch nicht? Zwischendurch gab es immer wieder
Verbdinungsprobleme zum Smarphone welches in meinem Rucksack lag, bis ca. nach
einer Stunde komplette funkstille war und die Route nicht mehr angezeigt wurde.
Ich kann nicht beurteilen ob es an meinem Handy oder am Kiox lag, aber so
richtig ausgereift ist das ganze nicht.
Das Bike liegt unglaublich satt auf der Strasse und selbst normales Fahren auf Waldwegen fühlt sich sehr gut an. Ich hatte schon befürchtet, dass das Fox Fahrwerk zu soft einfedert, dies ist aber nicht der Fall. Den Dämpfer Druck werde ich nochmal für mein Gewicht prüfen. Im grossen und Ganzen bin ich jedoch mit der Einstellung vom Versender zufrieden. Beim Bestellen habe ich jedoch auch mein Gewicht mit angegeben, somit war eine optimale Einstellung möglich.
Mir kommt das Bike gefühlt sehr schwer vor. Auf dem Trail liegt
es wie ein Panzer der alle Wurzeln glatt bügelt. Sprünge und leichte Drops sind
machbar aber, machen mit einem Biobike Fully deutlich mehr Laune. Für längere
Touren mit eingebauten Flowtrails eignet sich das Render jedoch perfekt.
Der Breite Lenker ist bei engen kurvigen Trails ein Problem.
Bin hier auch schon an Bäumen hängen geblieben, wobei der Trail wirklich sehr
dicht bewachsen war.
Fazit:
Das Render 10 HD Supreme ist ein gutmütiger Begleiter, der Spass
und Freude bei jeder Ausfahrt bereitet. Den wilden Hengst kann man auch auf den Trails rauslassen und Fahrfreude ist garantiert.
Zum Trail Shredding ist das Render bestens geignet. Bei
Sprüngen fühlt sich das Bike jedoch unruhig an und liegt ein wenig unsicher in
der Luft.
Die SRAM AXS empfinde ich nicht als erstrebenswert, da der Kosten- Nutzungs Faktor nur geringer Vorteile aufweisst.
Ersatzteile sind übermässig teuer, Akku + Knopfzelle macht
das sorglose Biken unnötig komplizierter.
Ca. 50 Euro für einen SRAM Ersatzakku halte ich für übertrieben!
Ich würde lieber in die bessere Kassette und Kette
investieren, anstatt das teuerste Schaltwerk einzubauen.
Auch die FOX 36 GRIP2 ist mir zu kompliziert zum Einstellen. Für mich wäre eine FIT4 sinnvoller.
Bei Rahmengröße M und L passen nur Fidlock Flaschen mit
450ml.
Würde ich das Bike nochmal kaufen? Nur unter der Bedinung, wenn ich gewisse Komponenten selber konfigurieren kann und eine einwandfreie Fertigstellung garantiert wird.
Auch wäre es schön, wenn in dieser Preisklasse, der erste Service inklusive wäre.
Wer jedoch genau nach diesem Paket sucht, wird mehr als zufrieden sein, denn vergleichbare Bikes mit dieser Ausstattung von anderen Herstellen kosten deutlich mehr.
Nachtrag:
Nach fast zwei Jahren kam mir die Firma nach etlichen Anfragen endlich entgegen und mir einen 40 Euro Gutschein für das Zentrieren des vorderen Laufrads ausgestellt. Zur Erinnerung das Laufrad wiess von Anfang an einen massiven Achter auf.
Zudem habe ich festgestellt, dass die Hinterachse nicht geschmiert war, das Schaltauge sich nach 300km gelöst hat sowie die Bremse keinen Druckpunkt mehr hatten und sich massiv Luft im System befunden hat. Was ich noch bemängeln möchte, dass bei mir das Chain Gap Tool für die AXS Schaltung gefehlt hat sowie diverse Unterlagen meiner Fox Federgabel welche eigentlich dabei sein sollten.

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